Berlin – Tagesprogramm für einen Trip im Herbst

Fernsehturm Berlin

Als ich mein verlängertes Wochenende in Berlin buchte, hatte ich ja schon irgendwie Bedenken – Ende Oktober kann es in Berlin wunderschön sonnig und relativ warm sein… oder aber nasskalt und grausam. Wie eben überall in Mitteleuropa um diese Jahreszeit.

Daher musste ein Tagesprogramm für Berlin her, das eher wetterunabhängig war. Das Resultat meiner Recherchen möchte ich in diesem Beitrag mit euch teilen. Vielleicht ist ja für euch auch die eine oder andere Idee dabei, die ihr bei eurem nächsten (oder ersten?) Trip nach Berlin verwerten könnt.

Ich muss an dieser Stelle nochmal darauf hinweisen, dass ich etwa ein halbes Jahr in Berlin gelebt habe und die Stadt daher wirklich gut kenne. Ich hatte damals auch das Glück, über ein Fahrrad zu verfügen und war somit wirklich unabhängig, was mir erlaubt hat, so gut wie alles, das mir interessant erschien, zu entdecken.

Viele „Klassiker“ in Berlin werde ich somit nur nebenbei erwähnen, wenn es mir im Zusammenhang sinnvoll erscheint.

Tagesprogramm für Berlin im Herbst

10.00 Uhr – KaDeWe

Das berühmte Kaufhaus des Westens, wie das KaDeWe vollständig heißt, ist eine Instituition wie etwa die Galeries Lafayette in Paris oder Bloomingdales in New York. Wer Designermode und -accessoires sucht, der wird hier garantiert fündig. Ich persönlich habe das KaDeWe aber aus einem ganz anderen Grund stets auf meiner To-Do-Liste für Berlin: Die 6. Etage ist die sogenannte „Feinschmeckeretage“, ein Gourmet-Tempel, der Seinesgleichen sucht und so gut wie keine Wünsche offen lässt. Egal, ob Champagner-Bar, Teesalon, Nobelpatisserie – das KaDeWe verfügt über alles! Ich bin tatsächlich überzeugt davon, dass ihr nur sehr sehr wenige Produkte von Weltruf finden werdet, die ihr dort nicht käuflich erwerben könnt. Natürlich hat die Auswahl auch ihren Preis und man würde vielleicht anderswo weniger für simple Produkte bezahlen. Aber man geht schließlich auch nicht ins KaDeWe, um Maggi Suppenwürfel zu kaufen 😉

Hier ein Bild der beiden Schätze, die mir diesmal „ganz zufällig“ in den Korb gehüpft sind:

Terre d'Oc Tees

Es handelt sich um zwei Bio-Schwarztees der Marke terre d’Oc, davon ist einer mit Lebkuchen-Aroma versehen, der andere mit gesalzener Karamellbutter. Eine Verkostung steht noch aus, aber ich bin schon sehr gespannt.

11.30 Uhr – Berliner Unterwelten / Ticketkauf

Berliner Unterwelten

Wir hatten uns vorgenommen, eine der vielgelobten Touren des Vereins Berliner Unterwelten zu buchen. Der Verein erforscht und dokumentiert unterirdische Bauten in Berlin. Bekannt ist der Verein vor allem für die Tour 1, eine Führung durch eine Bunkeranlage aus dem 2. Weltkrieg, die sich nach über 70 Jahren noch größtenteils im Originalzustand befindet.
Eine Freundin hatte mich bereits vorgewarnt und gemeint, dass die Touren üblicherweise schon lang vor dem offiziellen Start ausgebucht wären. Wir wollten eigentlich Tour 3 rund um die Bunker des Kalten Kriegs machen, musste jedoch feststellen, dass diese leider an einem Montag nicht stattfindet und entschlossen uns schließlich dazu, eben die „klassische“ Tour zum Thema „2. WK“ zu machen.
Die erste Tagestour findet um 12.00 Uhr statt, weshalb wir uns im KaDeWe nicht allzu lang aufhielten und direkt zur U8-Station Gesundbrunnen fuhren, wo der Verein gleich beim U-Bahn-Aufgang in der Brunnenstraße seinen Ticketshop hat.
Es kam natürlich, wie meine Freundin es vorausgesagt hatte: Die Tour war ausgebucht. Um 13.00 Uhr war dieselbe Führung erneut auf dem Programm, allerdings auf Englisch. Wir entschieden uns dafür, die Tour um 14.00 auf Deutsch zu wählen und stattdessen lieber noch einkaufen zu gehen.

12.00 Uhr – Kaufland

Ja, es klingt zugegebenermaßen banal, ein Supermarkt-Besuch bei Kaufland – aber für mich ist es ein absolut notwendiges Muss, um liebgewonnene deutsche Produkte zu mehr als nur erschwinglichen Preisen zu kaufen. Zu meinen Standard-Einkäufen gehören die köstlichen Hallorenkugeln, eine Schokoladenspezialität der Firma Halloren, die sich mit ihrem Gründungsjahr 1804 rühmt, Deutschlands ältester Schokoladenhersteller zu sein. Diesmal habe ich mit Apfel-Zimt eine Winteredition ergattert, die ich auch noch nicht kannte. Die klassische Hallorenkugel ist übrigens Sahne-Cacao, es gibt aber auch Sorten mit Alkohol, wie z.B. Eierlikör. Ein weiteres Muss auf meiner Einkaufsliste sind die unzähligen Haribo-Sorten, von denen bei uns noch kein Mensch gehört hat. Und als Biertrinkerin kann ich auch nie an Beck’s Green Lemon vorbeigehen – ein Biermixgetränk, das mit unserem „Radler“ vergleichbar, aber viel weniger süß (und mir daher um Einiges lieber) ist. Ich kann darüber hinaus auch empfehlen, einen näheren Blick auf Hygieneartikel wie etwa Duschgel zu werfen, oft kann man da erheblich sparen. Wer die Shampoo-Marke Herbal Essences noch aus Zeiten kennt, in denen sie bei uns in Österreich überall erhältlich war – Kaufland führt auch die… und das zu wirklich günstigen Preisen.

14.00 Uhr – Berliner Unterwelten / Führung Bunkeranlage Gesundbrunn

Nachdem wir unsere Einkäufe ins Hotel geschafft hatten, konnte um 14.00 Uhr unsere erneut ausgebuchte Tour mit dem Verein Berliner Unterwelten starten. Nach ein paar einleitenden Worten von unserem Führer Sven ging es dann auch schon ans „Eingemachte“. Irgendwie wäre es an dieser Stelle mehr als nur unpassend, von einer „schönen“ Tour zu sprechen. Am 2. Weltkrieg, seinen Schrecken und seinem Vermächtnis kann natürlich nichts, aber auch gar nichts, „schön“ sein. Trotzdem war die Führung ein unvergessliches Erlebnis, das ich jedem Berlin-Besucher wärmstens ans Herz legen möchte.
Um Berlin als Stadt vollständig begreifen zu können, muss man sich einfach mit der bewegten Geschichte der letzten etwa 150 Jahre beschäftigen. Und wenn man dann mit ca. 30 weiteren Touristen in einem der kleinen Räume des Bunkers sitzt, an dessen Wänden noch in der originalen (!!) Farbe von 1941 steht, dass der Raum für 35 Personen konzipiert ist, man aber genau weiß, dass in Wahrheit dort doppelt so viele Menschen Schutz vor den todbringenden Bombenhageln suchten, dann wird einem schon mulmig zumute und man spürt große Dankbarkeit für die Zeit, in der man leben darf. Wenn man dann noch die U-Bahn mit einem donnernden Rumoren vorbeifahren hört, bekommt man tatsächlich eine gute Vorstellung dafür, wie es wohl gewesen sein muss, hier mit einer Kerze zu sitzen, um den Sauerstoffgehalt zu kontrollieren, in dem Wissen, dass „draußen“ gerade die Stadt, die man kennt und liebt, in Schutt und Asche zerfällt.
Unser Führer Sven – den ich hier nochmal lobend erwähnen muss für seine sehr informativen, kritischen und gut recherchierten Bemerkungen – erzählte uns unter Anderem, dass in den letzten Kriegswochen etwa 20.000 Menschen in Berlin durch Bombenangriffe ums Leben kamen, aber 60.000 – 80.000 Menschen sich das Leben nahmen.
An dieser Stelle möchte ich ein Zitat erwähnen, das über dem Eingang zum Bunker durch den Verein angebracht wurde:

Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen“.
(G. Santayana, 1863 – 1953, Philosoph)

16.00 Uhr – Kartfahren am Ostbahnhof

In Anbetracht dieser doch eher „härteren Kost“ ist es nicht verwunderlich, dass wir uns ein Kontrastprogramm zur Auflockerung überlegt hatten – und die Wahl fiel auf das Kart- & Eventcenter im 5. Stock der Galeria Kaufhof am Ostbahnhof. Mein Freund hatte diese Elektro-Kartbahn bereits vor 5 Jahren entdeckt, als er mich in Berlin besuchte.
Ich hatte bis dato noch nie in einem Kart gesessen und wusste daher nicht so ganz, was auf mich zukommen würde, aber ich ließ mich einfach überraschen und nachdem ich als geschichtlich interessierter Mensch meinen Programmbeitrag hatte, war es nur fair, dass auch mein Freund seinen Spaß haben sollte. Wie sich herausstellte, hatte ich mindestens genauso viel Spaß – und dabei einen ganz schönen Bleifuß 😉
Wir hatten nicht reserviert oder uns vorab angemeldet, ich würde es aber vor allem am späteren Nachmittag/Abend und an Wochenenden durchaus empfehlen. Für uns gab es als spontane Gäste noch genug Platz. Das Team gibt vorab eine kleine Einleitung und erklärt das Flaggensystem (Blaue Flagge = schnellere Fahrer überholen lassen, Schwarz-Weiß-kariert = Ende der Einheit). Man fährt jeweils etwa 9 Minuten, wobei die Zeit für jede Runde genau gemessen wird. Ich konnte immerhin respektable 20,46 Sekunden erzielen und lag damit nicht mal eine ganze Sekunde hinter meinem Freund (den ich für den besseren Autofahrer von uns beiden halte).
Wer möchte, kann natürlich auch ein Rennen fahren, diese müssen dann allerdings vorab angemeldet werden und eine Mindestteilnehmerzahl ist ebenfalls erforderlich.
Übrigens: Die Karts haben keine Servo-Lenkung, weshalb Kurbeln angesagt ist. Ich kann euch verraten, dass das ganz schön auf die Armmuskulatur geht, vor allem, wenn man – so wie ich – tendenziell eher wenig davon hat…

17.30 Uhr – DDR-Museum an der Spree

DDR Museum

Ich gebe zu, ich habe das DDR-Museum mit äußerst gemischten Gefühlen betreten. Ich bin nämlich ein Anhänger von Tripadvisor – und die Bewertungen waren so durchwachsen, dass ich mir keinen rechten Reim darauf machen konnte.
Wir hatten die Berlin Welcome Card gekauft (eigentlich nur, weil es eine preislich ganz passable 48h-Ticketvariante ist) und erhielten damit einen Rabatt – anstatt € 14 bezahlten wir nur noch € 10,50 für 2 Erwachsenen-Tickets.
Wer sich auf einen Museumsbesuch eingestellt hatte, wo dem Besucher alles „vorgekaut“ wird, der ist hier definitiv an der falschen Adresse – und insofern wundere ich mich nicht länger über die sehr unterschiedlichen Bewertungen. Macht man sich nämlich nicht die Mühe, die unzähligen Klappen und Schubladen zu öffnen, um zu sehen, was sich dahinter verbirgt, wird man das Museum nach etwa 25 Minuten mit negativen Gefühlen wieder verlassen. Mein Freund und ich haben jedoch ganze 2 Stunden in dem Museum verbracht, alles gelesen, jede noch so kleine Schublade geöffnet und viele der zahlreichen interaktiven Aktionen genutzt. Besonders für Kinder findet sich hier immer wieder etwas zum Entdecken – will man jedoch auch etwas Wissenswertes mitnehmen, muss man schon viele kleinere und einige längere Texte zu den Objekten lesen.
Alles in allem kann ich das Museum also durchaus empfehlen, es gibt aber mit Sicherheit Attraktionen in Berlin, die man dringender gesehen haben sollte. Für uns war es beim x-ten Besuch ein netter Programmpunkt, der uns einen Einblick in eine Vergangenheit ermöglichte, in die wir zwar beide tatsächlich noch „hineingeboren“ wurden (ja, geht sich bei uns beiden noch aus), die uns aber heute vor allem surreal erscheint.

19.30 Uhr – Abendessen bei Thai Inside

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle nur kurz unser Abendessen bei Thai Inside in der Dircksenstraße (Nähe Alexanderplatz) erwähnen. Da mein Bericht aber zu lang geworden ist, findet ihr alle Details hier.

21.00 Uhr – Brandenburger Tor & Reichstag bei Nacht

Brandenburger Tor

Nein, ihr habt euch nicht verlesen – das Abendessen bei Thai Inside war nicht nur köstlich, sondern auch äußerst flott, weshalb wir gegen 21 Uhr beim Brandenburger Tor eintrafen, das ich unbedingt noch bei Nacht fotografiert haben wollte. Irgendetwas „Typisches“ musste ja noch auf diese Liste, oder nicht? 😉 Und weil der Reichstag ja direkt ums Eck liegt, haben wir den kurzen Bummel hinüber auch noch gemacht.

Reichstag

21.45 Uhr – Cocktails in der Adebar

Nur eine U-Bahn-Station vom Alexanderplatz entfernt liegt direkt an der U8-Station Weinmeisterstraße die Bar „Adebar“. Alle Cocktails die ganze Nacht über € 5,00, Heavy Cocktails wie z.B. Long Island Ice Tea € 5,50 – muss ich noch mehr sagen? Ich hatte einen Maracuja Split, der zwar lecker, aber ganz schön stark war, mein Freund hatte einen Merlin. Man muss aber zugeben, dass bei der Auwahl die Entscheidung nicht leicht fällt…

23.30 Uhr – Schlafenszeit

Relativ früh, ich weiß – aber wenn man für den nächsten Tag eine ca. 7-stündige Heimfahrt auf dem Programm stehen hat und davor noch ein paar Besichtigungen machen möchte, ist Schlaf wirklich Gold wert.

Unser Hotel – H2 Berlin Alexanderplatz

Ich bin ja üblicherweise ein extrem anspruchsvoller Hotelgast, in diesem Fall jedoch entschied ich mich für: Lage, Lage, Lage. Das H2 Berlin Alexanderplatz verfügt laut Tripadvisor über 2,5 Sterne. Die 288 Zimmer sind mit WLAN (kostenlos) ausgestattet, außerdem gibt es eine Parkgarage, die für € 20/Tag genutzt werden kann. Neben der Lage waren diese zwei Aspekte entscheidend für meine Wahl.

Zwei Wermutstropfen gab es dann doch: Die Karl-Liebknecht-Straße ist stark befahren. Das wusste ich bereits vorab, auf Tripadvisor wurde jedoch immer wieder erwähnt, wie ruhig das Hotel doch wäre. Tja, ich schätze mal, das hängt schwer davon ab, in welche Richtung das Zimmerfenster blickt – wir hatten leider ein Zimmer im 1. Stock mit perfekter Aussicht auf die 6-spurige Straße. Ich erspare euch die Details, nur soviel: leise war’s nicht 😉
Mein Freund bemängelte außerdem die Auswahl am Frühstücksbuffet… dazu muss ich sagen, dass ich ihn wohl ein bisschen zu sehr verwöhne mit meiner üblichen Hotelauswahl. Es gab immerhin Brötchen (verschiedene Sorten), Cerealien (ebenfalls verschiedene Sorten), Marmeladen, Obstsalat (ist mir immer besonders wichtig bei einem Frühstücksbuffet), Joghurt, Eierspeise (Rührei), hart gekochte Eier, Tomaten, Gurken, Schinken, Käse, Baked Beans und – man höre und staune – Hähnchenflügel (die bei den Gästen auch noch reißenden Absatz fanden).

Am Dienstag folgte dann noch ein Trip zum Teufelsberg, wo wir die ehemalige US-Abhörstation entdeckten. Mehr dazu könnt ihr hier nachlesen.

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