Berliner Teufelsberg

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    Teufelsberg, Berlin

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    Teufelsberg, Berlin

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    Graffiti, Berliner Teufelsberg

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    Graffiti, Berliner Teufelsberg

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    Ehemaliger Liftschacht, Berliner Teufelsberg

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    Graffiti, Berliner Teufelsberg

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    Berliner Teufelsberg, Aussicht Richtung Westen

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    Höchster Turm des Berliner Teufelsbergs

Als ich meinen Berlintrip Ende Oktober vorbereitete, stolperte ich eher zufällig auf Twitter über eine Liste mit 18 sehenswerten verlassenen Orten in und um Berlin. Gleich der erste Beitrag war der Teufelsberg, der uns letztlich auch für eine Besichtigung am geeignetsten erschien.

Kurz ein paar allgemeine Informationen rund um den Teufelsberg:

Der „Berg“ ist etwa 115 Meter hoch, man kann also eigentlich eher von einer Erhebung als einem tatsächlichen Berg sprechen. Entstanden ist die Erhebung nach dem 2. Weltkrieg, indem man die Massen an Kriegsschutt aus der Stadt Berlin in den Grunewald brachte, um in der Stadt Platz für den Wiederaufbau zu machen. Ab 1951 wurden hier insgesamt stattliche 26 Millionen Kubikmeter Trümmerschutt abgelagert und anschließend begrünt. Danach sollte die Gegend als Naherholungsgebiet für die Berliner dienen.
Es folgte jedoch die Ära des Kalten Kriegs und in den 1960er Jahren ging die „Field Station Berlin“ in Betrieb, von der aus Amerikaner und Briten den „Osten“ belauschten. Aufgabe der Abhörstation soll unter anderem die Störung des Funks im Kriegsfall sein – bedingt durch die strategisch günstige Lage mitten in der damaligen DDR.
Schließlich feiert Deutschland seine Wiedervereinigung und die „Westmächte“ treten das Gelände an den Berliner Senat ab, der Ende der 1990er Jahre die ehemalige Field Station an eine Investorengesellschaft verkauft. Geplant sind auf dem Gelände Luxusappartments und ein Nobelhotel, die Gesellschaft scheitert jedoch und eine Schuldlast von zusätzlichen € 30 Mio lastet seitdem auf dem Gelände.
Einige Jahre Vandalismus setzen daraufhin der Field Station zu. Seit 2012 ist Shalmon Abraham nun Pächter der Anlage und seit 2013 engagiert er sich gemeinsam mit dem Verein Berliner Teufelsberg für ein neues Konzept zur Nutzung der ehemaligen Abhörstation. Führungen durch das Gelände werden bereits seit 2011 angeboten.

Stille Führungen

Man kann den Teufelsberg auf verschiedene Arten entdecken. Bei Bedarf werden Führungen täglich von 12 bis 14 Uhr und von 16 Uhr bis Sonnenuntergang angeboten. Bei diesen „stillen Führungen“ begleitet ein Führer die Besucher durch die Anlage, es wird jedoch nichts über die Geschichte erzählt. Die Führungen dauern eine Stunde, wobei den Besuchern auch ein wenig freie Zeit eingeräumt wird, um das Hauptgebäude mit dem höchsten Turm auf eigene Faust zu entdecken. Wer auf Informationen zu den Hintergründen des Teufelsberges Wert legt, der ist bei der historischen Führung wohl besser aufgehoben – diese finden täglich um 15.30 Uhr und am Samstag und Sonntag außerdem noch um 13 Uhr statt.

Wir trafen die Entscheidung, eine stille Führung um 12 zu wählen, da wir noch am selben Tag unsere Heimreise antreten mussten, weshalb es nicht allzu spät werden durfte. Da wir mit dem Auto unterwegs waren, hatten wir vorab ein Mail an Shalmon Abraham geschickt, um am Gelände parken zu können.

Als wir um ca. 11.45 Uhr eintrafen, fanden wir uns jedoch vor einem verschlossenen Tor wieder. Außer einem Briefkasten war nichts weiter am Tor angebracht. Klingel? Fehlanzeige! Ich war schon ein bisschen enttäuscht, da ich die Besichtigung des Teufelsbergs schon eher als Insidertipp und dementsprechend exklusiv eingeschätzt hatte, jedoch keineswegs damit gerechnet hätte, so völlig ahnungslos vor verschlossenen Türen zu stehen. Wir beschlossen dennoch, das Auto einfach am etwas weiter „unten am Berg“ gelegenen Parkplatz abzustellen. Das Wetter war okay, nur etwas windig, aber trocken und so war der kurze Fußweg von vielleicht 5 Minuten kein Problem.

Wir kehrten also zum Tor zurück und trafen dort auf einen weiteren Touristen, der sich hierher „verirrt“ hatte. Das heißt, er wusste schon, dass er die Führung machen wollte, konnte sich aber auch gar nicht mehr so richtig daran erinnern, wie er eigentlich vom Teufelsberg erfahren hatte.

Nach einigen weiteren Minuten begann sich dann schließlich auf der anderen Seite des Tores etwas zu bewegen – nein, nicht etwas, sondern jemand, nämlich Adina Abraham, die Schwester des Pächters, die sich als unsere Führerin vorstellte. Wir bezahlten die € 7,00 pro Person, mussten eine kurze Erklärung (im Stile von „Betreten auf eigene Gefahr“) unterzeichnen und unsere persönlichen Daten (Adresse) angeben, dann ging es auch schon los.

Adina war zum Glück nicht völlig schweigsam, sondern reagierte sehr herzlich und freundlich auf unsere Rückfragen und erzählte uns, was sie über die Gegebenheiten der Anlage und die aktuelle Nutzung wusste.

Besonders toll sind natürlich die Graffiti, von denen ich einige meiner Lieblinge in die Slideshow am Beginn dieses Beitrags gepackt habe. Übrigens ändern sich die Bilder ständig, da immer wieder neue Künstler von Shalmon Abraham die Erlaubnis erhalten, sich zu „verewigen“ (wobei „ewig“ ja scheinbar doch ein gewisses Ablaufdatum hat, was aber irgendwie auch den Reiz ausmacht, da man sozusagen ein „Kunstwerk im permanenten Wandel“ besichtigt).

Das Gelände wird, wie wir erfuhren, außerdem gern für Filmdrehs, Fotoshootings oder auch private Feiern genutzt. Wenn man die Location auf sich wirken lässt, wundert man sich als Besucher nicht, dass es sich um einen gefragten Ort handelt.

Ein ganz besonderes Highlight ist die Kuppel des höchsten Turmes. Diese ist als einzige der Kuppeln, die wir besichtigt haben, noch gänzlich intakt. Die Akustik ist einfach phänomenal. Steht man am Rand und flüstert, hört man sich selbst im viel lauteren Nachhall. Wenig verwunderlich, dass auch Klangschalenerlebnisse angeboten werden. Fände ich persönlich wirklich reizvoll, jetzt, wo ich die Akustik dieser Kuppel kenne.

Als wir nach der Stunde wieder zum Tor zurückkehrten, wartete bereits eine weitere Gruppe – wohl an die 10 bis 15 Personen. Wir waren lediglich vier Besucher, was natürlich ideal ist, wenn man den trostlosen, verlassenen Aspekt der Anlage auf seine Bilder bringen will. Ich kann also einen Besuch wochentags um 12 nur empfehlen. Im Übrigen halte ich das maue Herbstwetter, das wir an diesem Tag hatten, für absolut perfekt, um diese Kulisse so richtig in Szene zu setzen. Der starke Wind, der über den Teufelsberg an dem Tag hinwegfegte, verursachte ein unbeschreibliches Geräusch bei den teilweise zerstörten Kuppeln, da die Stoffe, mit denen das Gerüst bespannt ist, regelrecht vom Wind durchgepeitscht wurden und sich der akustische Effekt durch die Bauweise verstärkt – direkt ein wenig gruselig, dieser Sound 😉

Wer schon öfter in Berlin war oder ganz einfach etwas abseits ausgetretener Pfade sucht, der ist hier bestens aufgehoben. Wir waren jedenfalls mehr als nur begeistert von diesem Relikt aus vergangenen und vielleicht auch ein wenig in Vergessenheit geratenen Zeiten.

Weitere Informationen zum Teufelsberg findet ihr auf http://www.berliner-teufelsberg.com

Anmerkung: Nur wenige Tage nach unserem Besuch wurde von Michael Müller, dem designierten regierenden Bürgermeister der Stadt Berlin, die Erwägung ausgesprochen, das Gelände zurückzukaufen. Pläne zur Nutzung inkludieren angeblich ein Spionagemuseum, eine Aussichtsplattform und ein Café. Ich hoffe stark, dass die jetzt dort vorhandene Architektur beibehalten wird, denn wenn nicht, wäre das meiner Meinung nach ein ziemlich herber Verlust. Aussichtsplattformen, Cafés und Museen gibt es weltweit wie Sand am Meer. Der Berliner Teufelsberg hingegen ist einzigartig. Und ich hoffe auch, dass es dabei bleibt! Weitere Informationen über den möglichen Rückkauf findet ihr hier.

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